Brücken der Wissenschaft
Die afrikanische Forscherin Catherine Oluwakemi Esuola ist dank der Förderung durch den Max-Planck-Africa-Mobility-Grant zu Gast am Max-Planck-Institut in Marburg
Für die Wissenschaftlerin Catherine Oluwakemi Esuola erforderte der Weg an die Spitze der synthetischen Biologie keine dauerhafte Auswanderung, sondern eine strategische Kooperation und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Mikrobenforschung in Marburg. Im Rahmen des Max-Planck-Africa-Mobility-Grants (MPAMG) arbeitet sie derzeit als Gastforscherin unter der Betreuung von Prof. Dr. Gert Bange, Max-Planck-Fellow am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie und Professor an der Universität Marburg.
Catherine Oluwakemi Esuola zählt zu den Nachwuchsforschenden, die von der Afrika-Initiative der Max-Planck-Gesellschaft gefördert werden. Der Mobility Grant richtet sich an junge afrikanische Forschende im letzten Jahr ihrer Promotion oder an Personen, die innerhalb der vergangenen zehn Jahre promoviert haben. Er deckt sämtliche Kosten – von Reise und Krankenversicherung bis zu Verbrauchsmaterialien – und ermöglicht einen einmonatigen Aufenthalt zur Konzentration auf wissenschaftliche Fragestellungen. Im Gegensatz zu traditionellen Stipendien, die oft eine dauerhafte Ortsveränderung erfordern, soll der Mobility Grant dem sogenannten Brain Drain entgegenwirken. Er bietet afrikanischen Forschenden Zugang zu erstklassiger Infrastruktur in Deutschland, während sie an ihren Heimatinstitutionen in Afrika verankert bleiben.
„Wissenschaftliche Exzellenz kennt keine geografischen Grenzen“, sagt ihr Mentor, Max-Planck-Fellow Prof. Dr. Gert Bange. „Nachhaltige internationale Zusammenarbeit bedeutet nicht, Talente von ihrem Herkunftsort abzuziehen, sondern Partnerschaften aufzubauen, die erstklassige Forschung ermöglichen und gleichzeitig die wissenschaftliche Kapazität der Heimatinstitutionen stärken. Der Max-Planck-Africa-Mobility-Grant verfolgt diese Vision, indem er wissenschaftliche Exzellenz mit langfristigem Kompetenzaufbau verbindet. Er zeigt, dass die bedeutendsten Fortschritte in der Wissenschaft erzielt werden, wenn Wissen, Vertrauen und Verantwortung gemeinsam wachsen. So entstehen dauerhafte Netzwerke, die nicht nur einzelne Forschende, sondern ganze wissenschaftliche Netzwerke fördern.“
Catherine, Sie sind heute Dozentin an der Anchor University in Lagos, Nigeria. Bereits während Ihrer Promotion in Umweltbiologie waren Sie einmal in Marburg, nun zum zweiten Mal. Was hat Ihr Interesse an der Biologie geweckt?
Meine wissenschaftliche Leidenschaft begann im Garten meiner Grundschule, wo ich mich stets zu Pflanzen hingezogen fühlte. Glücklicherweise interessierten sich auch meine Geschwister, insbesondere meine ältere Schwester, für Wissenschaft, sodass ich früh ihre Lehrbücher las. Ursprünglich wollte ich Ärztin werden, doch eine Lehrkraft erkannte mein Talent für Chemie und ermutigte mich, chemische Biologie zu studieren. Schließlich entwickelte ich eine Vorliebe für Grundlagenforschung. Zu Beginn meiner Ausbildung war die Molekularbiologie noch sehr neu, und die Arbeit mit DNA war schwierig, da praktische Anwendungen selten waren. Erst im Masterstudium isolierte und klonierte ich erstmals DNA.
Sie sind Empfängerin des Max-Planck-Africa-Mobility-Grants. Welcher wissenschaftlichen Herausforderung widmen Sie sich hier, und warum ist diese für Nigeria bedeutsam?
In Nigeria leben viele Menschen auf engem Raum, weshalb die Sicherstellung der Ernährung zentral ist. Gleichzeitig leiden die Böden unter erheblichen Nährstoffdefiziten, und es kommt häufig zu Dürreperioden. Mikroorganismen vermitteln zwischen Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenwachstum; ihre Enzyme ermöglichen die Anpassung an diese extremen Umweltbedingungen.
Ich habe Feldforschung mit der Afrikanischen Yamsbohne, einer traditionellen Nutzpflanze, durchgeführt. Durch die Symbiose mit stickstoffbindenden Bakterien kann sie als biologischer Dünger wirken. Um zu verstehen, wie sich diese Bakterien anpassen und wie ihre Resilienz gestärkt werden kann, müssen grundlegende biochemische Fragestellungen geklärt werden. Leider fehlen mir hierfür die entsprechenden Möglichkeiten in Nigeria. Im Labor von Prof. Bange kann ich hingegen Enzyme isolieren, charakterisieren und ihre katalytischen Strukturen untersuchen. Mein Hauptziel ist es, Enzyme aus nigerianischen Böden zu kristallisieren, um ihre Rolle bei der Anpassung zu erforschen.
Neben der technischen Ausstattung: Welcher Aspekt der Betreuung durch Prof. Dr. Gert Bange war für Sie am prägendsten?
Die gesamte Erfahrung war bereichernd, und ich fühle mich gut integriert. Besonders wertvoll war die Perspektive, die Prof. Bange vermittelte. Er lenkte meinen Fokus auf die zentrale Frage: „Warum möchte ich etwas tun?“ Es geht nicht nur um das „Wie“, sondern um den Zweck der Arbeit. Während meines Aufenthalts in Marburg unterrichte ich meine Studierenden weiterhin online, um meine Lernerfahrung an die nächste Generation weiterzugeben. Neben der Wissenschaft möchte ich ihnen die Herangehensweise vermitteln, die Prof. Bange mir nahegebracht hat, indem ich sie dazu anrege, sich zu fragen: „Was genau möchte ich erreichen? Wohin kann mich das führen?“ Ich möchte meine Studierenden dafür sensibilisieren, zielorientiert zu denken.
Welche praktischen Methoden oder Vorgehensweisen planen Sie nach Ihrer Rückkehr nach Lagos in Ihrem Labor umzusetzen?
Neben dem wissenschaftlichen Know-how nehme ich vor allem die Organisationskultur mit. Das Labor ist sehr strukturiert: Alles hat seinen Platz, der Tagesablauf ist klar gegliedert, und es gibt ein detailliertes Laborprotokoll. Diese Effizienz möchte ich mit nach Hause nehmen. Durch eine bessere Organisation der Arbeitsabläufe können wir die Produktivität in der Forschung steigern.
Aus einer größeren Perspektive betrachtet: Wie hoffen Sie, dass die Arbeit in Marburg der Gesellschaft und Umwelt in Afrika langfristig zugutekommt?
Mein langfristiges Ziel ist es, nachhaltige Alternativen zu chemischen Düngemitteln zu entwickeln. Diese sind häufig toxisch, und die Anwendungsvorschriften werden nicht immer eingehalten. Durch das Verständnis der Anpassungsmechanismen einheimischer Bakterien könnten sichere und nachhaltige Biodünger entstehen. Hier in Marburg arbeite ich mit Modellorganismen, um das notwendige Fachwissen zu erwerben, das ich anschließend auf heimische Organismen übertragen möchte.
Der Max-Planck-Africa-Mobility-Grant fördert einen „zirkulären Wissensfluss“. Womit können Sie während Ihres Aufenthalts das Labor in Marburg bereichern?
Neben meiner Expertise in mikrobieller Ökologie bringe ich insbesondere Erfahrungen mit einheimischen Bodenmikroorganismen und Pflanzen-Mikroben-Interaktionen in Nigeria ein. Ich verfüge über ausgeprägte Teamfähigkeit, bin kulturell vielfältig aufgestellt und bringe eine positive Einstellung mit, die ein kooperatives Forschungsumfeld fördert. Ich bin überzeugt, dass wissenschaftlicher Fortschritt durch den Austausch unterschiedlicher Perspektiven gestärkt wird, und wünsche mir, dass die Verbindungen zwischen unseren Institutionen noch dauerhafter werden.
Der Max-Planck-Africa-Mobility-Grant ist Teil einer umfassenden Initiative der Max-Planck-Gesellschaft. Diese umfasst Mentoring-Programme, virtuelle Vortragsreihen und verstärkte Forschungskooperationen. Ziel ist es, afrikanische Institutionen zu stärken und die globale Wissenschaft durch echte Zusammenarbeit voranzubringen. So erhalten afrikanische Forschende die Ressourcen, um aktiver Teil des globalen Diskurses in den Lebenswissenschaften zu sein.

