Otto-Hahn-Medaille für Nachwuchsforschende des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie

Dr. Wenhao Xu und Dr. Leonard Ernst werden für ihre herausragenden Doktorarbeiten auf den Gebieten der mikrobiellen Biochemie und Geochemie geehrt

16. Juni 2026

Die Max-Planck-Gesellschaft verleiht die Otto-Hahn-Medaille in diesem Jahr unter anderem an die beiden ehemaligen Promovierenden des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie in Marburg. Die Auszeichnung würdigt ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, die sie im Rahmen ihrer Dissertationen erbracht haben.

Wenhao Xu: Wie Bakterien ihre Umwelt wahrnehmen

Wenhao Xu erforschte in ihrer Doktorarbeit in der Abteilung von Prof. Dr. Victor Sourjik, wie Bakterien Signale aus ihrer Umgebung erkennen und verarbeiten. Um die Spezifität bakterieller Rezeptoren für bestimmte Liganden systematisch zu kartieren, entwickelte sie eine Strategie, die Hochdurchsatz-Klonierung, AlphaFold-Modellierung und Ligandenscreening kombiniert. So identifizierte sie spezifische Bindungspartner für mehrere uncharakterisierte Domänen bakterieller Sensorproteine. Die Ergebnisse geben wichtige Einblicke darin, wie Darmbakterien Nährstoffe und Signalmoleküle wahrnehmen und sich an ihre Wirtsumgebung anpassen. In einer weiteren Studie etablierte Wenhao Xu zudem ein kombinatorisches Screening-Verfahren für den Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa. Dabei fand sie bislang unbekannte Chemoeffektoren, die für das Infektionsgeschehen relevant sind.

„Ich fühle mich sehr geehrt, die Otto-Hahn-Medaille zu erhalten. Ich möchte mich bei der Sourjik-Gruppe und allen Kollegen am MPI Marburg für ihre stetige Unterstützung und Förderung bedanken,“, sagt Wenhao Xu. Sie schloss ihr Masterstudium der Mikrobiologie an der Shandong-Universität in Jinan, China, ab. Danach begann sie im Oktober 2020 ihre Promotion am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg. Derzeit ist sie EIPOD-LinC-Postdoktorandin am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg.

Leonard Ernst: Von der Geochemie zur Biochemie des Lebens

Leonard Ernst widmete seine Doktorarbeit am MPI für terrestrische Mikrobiologie einer der grundlegendsten Fragen der Biologie, dem Übergang von einfacher Geochemie zu komplexer Biochemie. Im Fokus standen Eisen-Schwefelverbindungen und ihre Rolle bei der Entstehung von Methan sowie der evolutionäre Verlauf der Stickstofffixierung  - bis hin zur Entwicklung des hochkomplexen Enzyms Nitrogenase, das die Fixierung von atmosphärischem Stickstoff und die Umwandlung in Biomasse ermöglicht. Im Team von Prof. Dr. Johannes Rebelein konnte er zeigen, dass die Zunahme chemischer Komplexität dieser Eisen-Schwefel-Systeme eng mit einer Steigerung der katalytischen Effizienz und der Erschließung völlig neuer Reaktionswege verknüpft ist. Seine Ergebnisse sind darüber hinaus relevant für die Einschätzung der globalen Methankreisläufe, aber auch für biomedizinische Fragestellungen im Zusammenhang mit oxidativem Stress.

„Unsere Forschung zeigt eindrücklich, wie sich die Eisen-Schwefel-Chemie von nicht-enzymatischer, langsamer und unspezifischer Geochemie hin zu enzymatischer, schnellerer und spezifischerer Biochemie entwickelt hat – bis hin zur Fixierung des eigentlich sehr reaktionsträgen Stickstoffmoleküls“, sagt Leonard Ernst.

Er studierte Biotechnologie, Geowissenschaften und Philosophie an der Universität Heidelberg und promovierte am MPI für terrestrische Mikrobiologie. Derzeit ist er als Postdoktorand in der Arbeitsgruppe von Chris Greening an der Monash University in Melbourne, Australien, tätig.

Mit der Otto-Hahn-Medaille würdigt die Max-Planck-Gesellschaft seit 1978 jährlich bis zu 30 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende Leistungen im Rahmen ihrer Promotion. Die nach dem Chemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn (1879–1968) benannte Medaille ist mit einer Dotierung von 7.500 Euro verbunden.

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