Schulkinder isolieren Bakterien: Max-Planck Kinder-Uni 2026
Schülerinnen und Schüler aus Kirchhain und Treysa nahmen an der Max-Planck Kinder-Uni in Marburg teil
Bereits zum dritten Mal ermöglichte das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie etwa 200 Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Klassen einen aktiven Einblick in die mikrobiologische Forschung. In diesem Jahr waren die fünften Klassen des Schwalmgymnasiums Treysa und die sechsten Klassen der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain zu Gast am Institut auf den Marburger Lahnbergen. Max-Planck-Direktor Prof. Dr. Helge Bode erläuterte den Schülerinnen und Schülern die Bedeutung der Suche nach neuen Naturstoffen. Anschließend schlüpften diese selbst in die Rolle von Forschenden: Gemeinsam mit einem Team des Botanischen Gartens der Universität Marburg sammelten sie Proben und isolierten Bakterien.
Die meisten Bakterien sind keine Krankheitserreger, sondern nützlich für den Menschen. Diese zentrale Botschaft vermittelte Prof. Helge Bode den Kindern. Diese hörten nicht nur aufmerksam zu, sondern beantworteten interaktiv mit Hilfe von bunten Karten Fragen zu Bakterien.
Besonders die Produktion von Naturstoffen durch z.T. farbige Bakterien ist von großem Interesse. Die Abteilung von Helge Bode erforscht, wie Bakterien durch die Kombination einfacher Bausteine vielfältige Natur- und Wirkstoffe produzieren, die die Grundlage vieler heutiger Antibiotika und anderer Medikamente bilden. Die Forschenden nutzen synthetische Biologie, um diese Naturstoffe zu modifizieren, zu optimieren oder mit neuen Eigenschaften zu versehen.
Die Kinder erlebten im Vortrag, wie Agarplatten mit einem Handabdruck aussehen – vor und nach dem Händewaschen. Zudem erfuhren sie, dass ihre Mitarbeit dazu beitragen kann, Bakterien zu finden, die vielleicht ein neues Antibiotikum produzieren.
Zunächst mussten die Bakterien jedoch gefunden werden. Zum Glück gibt es Bakterien nahezu überall: im Wasser, im Boden und auf Pflanzen. Ein Team des Botanischen Gartens der Universität Marburg führte die Kinder in die Außenanlagen, wo sie Blätter auswählten und ihre Proben sorgfältig mit den wissenschaftlichen Pflanzennamen versahen.
Nach der Rückkehr ins Institut unterstützten zahlreiche Mitarbeitende des MPI die jungen Forscherinnen und Forscher dabei, Bakterien aus dem Blattmaterial zu isolieren. Vorsichtig wurden diese kurz auf Agarplatten angedrückt – das reicht aus, damit Bakterien auf dem speziellen Nährboden wachsen können. Da das Wachstum der Kulturen mehrere Tage dauert, wurden alle Platten sorgfältig beschriftet. Damit die Kinder auch das Ergebnis ihrer Forschung sehen, erhalten die Schülerinnen und Schüler im Nachgang ihres Besuches individuelle Fotos „ihrer“ Bakterienkulturen.
Für das Team am Max-Planck-Institut ist dieser Tag eine wichtige Gelegenheit, junge Menschen für Forschung zu begeistern, wie Prof. Dr. Helge Bode betont. „Dass die Kinder durch dieses Angebot möglicherweise selbst zur Entwicklung neuer Antibiotika beitragen, kann eine nachhaltige Motivation sein. Zudem kommen die Kinder mit internationalen Forschenden zusammen und erleben: Forschung ist international und interdisziplinär.“
In und um Marburg fördern zahlreiche Kooperationen die MINT-Bildung, darunter das Schülerforschungszentrum Mittelhessen, mit dem das Max-Planck-Institut seit längerer Zeit zusammenarbeitet. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler frühzeitig Einblicke in MINT-Fächer (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik) zu ermöglichen und die Faszination der Wissenschaft zu vermitteln.
Die Max-Planck Kinder-Uni findet derzeit einmal jährlich statt und steht allen Schulen im Landkreis sowie darüber hinaus offen. Die Anmeldung erfolgt klassenweise über die Pressestelle des Instituts. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen. An dem Tag können jeweils zweimal bis zu 120 Teilnehmende eines Jahrgangs teilnehmen. Der nächste Termin wird ab Januar 2027 auf der Homepage des Max-Planck-Instituts Marburg veröffentlicht: https://www.mpi-marburg.mpg.de/1200749/angebote-fuer-schulen



