Girls’Day 2026 am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie
16 Mädchen entdecken Forschung, Labor und Feinmechanik
Das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie (MPI-TM) öffnete am Girls’Day 2026 seine Türen für 16 Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren. Der bundesweite Aktionstag, der seit 2001 stattfindet und vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, soll Mädchen ab 14 Jahren die Welt der MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) näherbringen – Berufe, die traditionell als „männlich“ gelten.
Zu Beginn des Tages erklärte Forschungsgruppenleiterin Dr. Maren Nattermann im Instituts-Hörsaal, warum die Forschung an und mit Mikroorganismen ein besonders zukunftsweisender Bereich ist. Anschließend ging es ans Praktische: In kleinen Gruppen erfuhren die Teilnehmerinnen, wie Forscherinnen nach neuen Antibiotika suchen und wie man Bakterien animpft, sie pipettierten und setzten enzymatische Reaktionen im Labor um und begleiteten in der feinmechanischen Werkstatt den Prozess von der CAD-Planung bis zum fertigen 3 D-Druck oder gefrästem Produkt.
Die meisten der jungen Gäste kamen aus Marburg, einige reisten aus dem Landkreis und sogar aus weiter entfernten Regionen an.
„Ich fand es schön, dass die Forschenden so motiviert waren und selber Spaß an dem Tag mit uns hatten“, sagte eine Teilnehmerin. Forscherin Franka Eiche ergänzte: „Ich glaube, für die Mädchen ist es spannend, da zu stehen, wo tatsächlich geforscht wird – sie standen ja heute an meiner Bench.“ Forschungsgruppenleiterin Maren Nattermann betonte: „Für uns ist dieser Tag auch wichtig, weil wir austesten können, ob wir die Forschung gut erklären können. Und ich hätte einen solchen Tag früher gerne selbst gehabt.“
Ein besonderes Element des Tages war die Vermittlung der Wissenschaft: „Ich finde es sehr wichtig, seine eigene Forschung so zu vereinfachen, dass andere sie verstehen können“, sagte Nicolás Londoño, Doktorand am MPI. „Wir sind es gewohnt, darüber mit anderen Forschenden zu sprechen, und ich denke, es gibt viele Menschen, die interessiert sind, aber es zu komplex finden. Deshalb: Wissen aufzubrechen und es spielerisch zu vermitteln, ist eine wirklich gute Möglichkeit, ernsthafte Begeisterung zu wecken.“
Laut Statistischem Bundesamt sind Frauen in MINT-Studiengängen mit einem Anteil von rund 35 Prozent nach wie vor unterrepräsentiert. Dieser Gender-Gap beginnt bereits in der Schule und wirkt sich auf Studienwahl, Karriereentwicklung und die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft aus. Ziel des Girls’Day ist es daher, Neues auszuprobieren und dabei die eigenen Stärken und Talente jenseits von Geschlechterstereotypen besser kennen und einschätzen zu lernen.
Denn viele Jugendliche fallen bei der Berufs- oder Studienwahl nur wenige Alternativen ein. Mädchen entscheiden sich oft für Berufe mit überwiegend weiblicher Besetzung – wie Erzieherin, Friseurin, Psychologin oder Tierärztin – während Jungen häufig Berufe wählen, die fast ausschließlich von Männern ausgeübt werden, wie Kfz-Mechatroniker, Maler und Lackierer oder Informatiker.
Mit Aktionstagen wie dem Girls’Day lernen Jugendliche die Vielfalt der Berufs- und Studienwelt frei von Klischees kennen und werden ermutigt, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Über 20.000 Unternehmen und Institutionen beteiligen sich jedes Jahr und bieten spannende Einblicke in Berufsalltag oder Forschungsfelder. Die Jugendlichen erleben den Tag in der Gruppe – die Mädchen wie die Jungen jeweils unter sich. Anfang des Jahres können Mädchen über ein bundesweites Portal lokale Angebote suchen und sich selbst anmelden. Insgesamt standen 2026 über 24.000 Angebote und knapp 180.000 Plätze für Schüler:innen zur Verfügung. Der Termin des Girls`Days im Frühjahr steht meistens Ende des vorigen Jahres fest, Anmeldungen sind in der Regel ab Januar möglich.












